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13. Stimmwercktage 2017: Die Annaberger Chorbücher

Die Musik

Anonymus: Et cum Spiritu tuo

Die beiden Annaberger Chorbücher versammeln wichtige Beispiele aus der kirchlichen Musikpraxis des 16. Jahrhunderts in Deutschland. Als kirchliche Gebrauchshandschriften bieten sie uns faszinierende Einblicke ins musikalische Leben der Reformationszeit.

Die Sammelhandschriften (auch als Annaberger Chorbuch I und II bezeichnet; SLUB-Signaturen Mus.1-D-505 bzw. Mus.1-D-506) entstanden wohl im frühen 16. Jahrhundert, also vermutlich no ch vor dem Beginn der Reformation. Dafür sprechen Namen wie Antoine Brumel, Loyset Compère, Alexander Agricola, Heinrich Isaac oder Josquin Desprez und der katholisch geprägte Inhalt. Beide Kodizes bieten eine bunte Mischung meist vierstimmiger lateinischer Kirchenmusik: Messen, einzelne Ordinariumssätze, Magnificat-Vertonungen, Motetten sowie eine Sammlung von Hymnen und Introitus-Kompositionen.

Zwar wurde die Reformation im albertinischen Sachsen, also auch in Annaberg, erst im Jahr 1539 eingeführt, doch sind die Chorbücher wohl dennoch nicht für das 1519 geweihte Gotteshaus geschaffen worden. Sie entstanden vermutlich als Teil eines größeren Quellenkomplexes, der „die kursächsisch-ernestinische Hofmusikpflege um und nach 1500” (Steude) widerspiegelt, schon früher im ernestinischen Teil Sachsens – eventuell in Wittenberg. Durch die Reformation unbrauchbar geworden, gelangten die Bände von dort nach Annaberg.

Nachdem das Annaberger Chorbuch II seit 2010 in einer textkritischen Edition innerhalb der von Prof. Dr. Wolfgang Horn betreuten Reihe Das Erbe deutscher Musik vorliegt, soll in Kürze eine Neuausgabe des Chorbuchs I folgen. Vom Zusammenspiel zwischen Original und Quellenkritik sind neue Impulse für die Forschung zu erhoffen – zum Beispiel durch die Identifizierung des Urhebers der vielen anonym überlieferten Werke, die sich in beiden Bänden finden.

 

Dieser Text basiert mit freundlicher Genehmigung auf Dr. Andrea Hammes’ SLUBlog-Post Zwei Quellen, viel Futter für die Forschung – Annaberger Chorbücher digital vom 19. Juli 2016.